Worum geht's in „1. FC Profikicker”?
Unter dem Motto “mit Fußball reich werden” sucht Henry Nachwuchs-kicker. Und jedem stellt er die alles entscheidende Frage: “Woran denkst du beim Aufstehen und beim Zubett-gehen?” Antwortet er “an Fußball”, dann ist er dabei. Denn Henry – Teamchef, Präsident und Manager eines zukünftigen Dreamteams – sucht nach knallharten Profis. Sein Grundsatz: Fußball ist kein Spiel. Fußball ist Leben.
Auszug/Leseprobe
Endlich 15.00 Uhr. Ich breite meine Unterlagen auf Opas Gartentisch aus, den Ball lege ich diesmal neben meine Papiere auf den Tisch. Außerdem habe ich mir Papas Sonnenbrille ausgeliehen. Wenn ich ein paar Jahre älter wäre, würde ich mir jetzt auch noch gerne einen Hut aufsetzen und eine Zigarre anzünden. Aber Ersteres würde wahrscheinlich lächerlich aussehen und Letzteres Opa auf den Plan rufen. Er motzt ja schon immer, wenn im TV die Trainer oder Manager rauchen, so von wegen, Sport und keine Drogen.
Daher nur die Sonnenbrille. Ich muss gestehen, ich bin heute noch aufgeregter als gestern. Irgendwie habe ich das Gefühl, dieser Nachmittag wird ein wichtiger Tag für meinen Team werden. Werde ich heute einen neuen Star entdecken?
Zehn nach drei sehe ich drei Jungens die Mittelpromenade entlanggehen, sie tragen Hertatrikots, Fußballschuhe und einer einen Fußball. Vor dem Tor zu Opas Garten verlangsamen sie ihre Schritte, sehen zu mir herüber, gehen dann aber weiter. Schade. Die Drei sahen echt nach gutem Spielermaterial aus.
Ich vertiefe mich in meine Aufzeichnungen.
Gegen halb fünf endlich höre ich beiläufig, wie sich das Tor öffnet. Mit wichtigen Dingen beschäftigt, hebe ich erst den Kopf, als die drei Jungen direkt vor mir stehen. Es sind dieselben, die vorhin noch am Gartentor vorbeigegegangen sind.
„Ist das hier mit dem Probetraining?“, fragt der, der den Ball trägt.
Ich nicke.
„Und wo ist der Trainer?“
„Er sitzt vor euch!“, möchte ich cool sagen, krächze es aber stattdessen nur leise.
Die drei fangen an zu lachen, drehen sich um und rennen weg.
Mir steigen Tränen in die Augen. Zum Glück habe ich Papas Sonnenbrille auf, sonst könnte das jemand bemerken. Doch so rufe ich nur ganz locker zu Opa rüber: „Ich mache für heute Schluss. Die gerade wollen morgen noch einmal vorbeikommen, mussten jetzt ganz schnell weg.“
Opa nickt und harkt weiter zwischen seinen Rabatten.
Am Gartentor stoße ich mit einem Jungen zusammen. Er ist groß, echt groß, und wahrscheinlich schon dreizehn.
„Bin ich hier richtig?“, fragt er.
„Kommt darauf an, wozu?“, antworte ich.
„Ich wollte mich, na ja, das Probetraining eben“, erklärt er mir unsicher.
„Ist für heute vorbei.“
„Mist! Ich konnte nicht früher!“ Der Junge beißt sich auf der Unterlippe herum.
„Wenn du willst, ein Ball ist noch da!“, schlage ich ihm vor und strecke ihm meinen Ball entgegen.
„Ist doch sinnlos, so ohne Trainer!“, entgegnet er undeutlich, da er immer noch seine Unterlippe zwischen den Zähnen hat.
„Kommt darauf an.“ In meinem Kopf fällt in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung. „Ich kann ja mal einen Blick auf dich werfen und wenn du was drauf hast, leite ich das weiter.“
Der Junge ist immer noch unentschlossen. „Du?“
„Ja, ich!“ Da meine Sonnenbrille heruntergerutscht ist, schiebe ich sie wieder nach oben. „Das Team ist mein Geburtstagsgeschenk, mein Vater hat mir ein eigenes Fußballteam geschenkt. Komplett mit allem was so dazu gehört. Trainer, Ausrüstung und ein paar wirkliche erstklassige Nachwuchsspieler waren auch inklusive. Daher, das ist mein Team und wer mir nicht gefällt, der fliegt eben wieder. Klar?“
„Ist ja voll schräg!“ Die Unterlippe des Jungen hängt jetzt weit herab. „Darf ich dann den Ball haben?“
Ich nicke generös und werfe den Fußball rüber auf die Wiese.
Der Junge rast hinterher und dann kann ich mich nur noch an dem offenen Gartentor festhalten. Denn der Kerl hat mit dem Ball Dinger drauf, dass mir fast schwindelig wird. Er dribbelt, er kickt ihn mit der Ferse auf seinen Rücken, so dass der Ball auf seinen Kopf hoch rollt. Von dort lässt er ihn über die Brust heruntergleiten, dreht sich dabei um die eigene Achse und schafft es den Ball, bevor er auf den Boden kommt, mit der linken Fußspitze wieder aufzunehmen. Dann spurtet er quer über die Wiese. Das was er dabei mit dem Ball macht, ähnelt Eishockey. Der Ball pendelt beim Laufen rasend schnell zwischen den beiden Fußinnenseiten hin und her. Wie an einer Schur gezogen, geht das Leder hin und her.
Ich nehme die Sonnebrille ab, um ihm genauer zusehen zu können. Der Junge wechselt auf die Steinplatte des Weges und es scheint, als ob der Ball an seinen Füßen kleben würde. Egal wohin er sich wendet und welches Tempo er einlegt, der Ball ist immer an einem seiner Füße. Am hinteren Gartenzaun dreht er sich um und ich halte vor Spannung den Atem an, denn ich ahne was jetzt kommen wird: Der großartige, finale Freistoß. Der Junge holt mit dem linken Fuß aus, trifft den Ball. Ein Plopp ertönt, keine vier Meter vor ihm landet der Ball auf dem Boden und rollt nicht einmal mehr zwei Meter weiter. Der Junge flucht vor sich hin.
Mein erster Gedanke ist: Dass sieht nicht nur so aus, der Junge muss wirklich Klebstoff an seinen Schuhen haben.
„Fantastisch!“ Ich renne ihm entgegen und wir treffen uns in der Mitte des Gartens. „Das war einmalig!“
Der Junge schüttelt den Kopf. „Vergiss es, das passiert mir immer. Ich, ich kann nicht schießen!“
„Wie nicht schießen?“, frage ich.
„So wie eben!“ Der Junge erscheint mir echt verzweifelt. „Das ist so was von Mist! Wahrscheinlich wirst du jetzt dem Coach sagen, dass ich ´ne Flasche bin. Aber ich weiß nicht, warum ich das nicht hinbekomme! Ich kann alles mit dem Ball machen, und wenn ich ihn zwischen meinen Beinen habe, dann nimmt so leicht auch niemand den Ball wieder ab. Aber ich kann einfach nicht schießen. Und wer braucht schon so einen Fußballer.“
„Alles nur eine Frage des richtigen Trainings“, sage ich.
„Blödsinn!“
„Wollen wir wetten?“, schlage ich ihm vor. Der Junge zuckt mit den Schultern.
„Übermorgen, 17.00 Uhr ist das nächste Training von meinem Team. Komm vorbei und wir werden sehen, wie wir dir helfen können.“
„Weiß nicht!“ Der Junge zögert.
„Na los, was hast du zu verlieren?“, setzte ich nach und halte ihm die Hand hin. Der Junge schlägt ein.
„Donnerstag, 17.00 Uhr, auf der Wiese im Bäke-Park.“
Der Junge nickt und rennt dann, ohne einen Blick zurück, aus dem Garten und ist weg.
Als ich mich umdrehe steht Opa vor mir.
„Henry, wir sollten miteinander reden!“, sagt er leise. Ich nicke und bevor er etwas sagen kann, bitte ich ihn: „Ich brauche deine Hilfe. Würdest du meinen Trainer spielen? Nur vorübergehend. Bis die wissen, dass ich gut bin und Ahnung habe von Fußball.“
„Und was war das mit dem Geburtstagsgeschenk und den beiden Onkeln?“ Opa steht da, kratzt sich seinen Bauch zwischen den Hosenträgern und sieht mich abschätzend an.
„Das war Nebensache“, erkläre ich ihm. „Das haben die morgen wieder vergessen. Ich weiß, wie Jungens in dem Alter denken.“
Opa lacht, ich habe gewonnen.
„Gut, dann bin ich dein Coach. Aber nur vorübergehend!“
Ich drücke Opa Bernhard kurz und rufe dabei: „Und du brauchst dir keine Gedanken zu machen, was du mit denen machen sollst. Ich werde dir einen kompletten Trainingsplan ausarbeiten und notfalls, als Teamchef bin ich ja beim Training dabei. Du kannst mich also jederzeit fragen.“
„Wie beruhigend, ich hätte mir andernfalls wirklich Gedanken gemacht.“ So wie Opa dabei grinst, weiß ich nicht genau, ob er das wirklich ernst meint.
Ich verspreche ihm bis morgen Nachmittag den Trainingsplan fertig zu haben und dann renne ich nach Hause. Neben dem Trainingsplan habe ich leider auch noch ein paar andere Aufgaben zu erledigen. Eine heißt Zimmeraufräumen und die andere Hausaufgabenmachen. Typischer Managerstress eben. Nicht mal zum Gamen komme ich mehr.
Abends im Bett fällt mir auf, ich weiß weder Namen noch Anschrift des Jungen mit den Klebstofffüße


Das Buch ist das beste Buch über Fußball wo ich gelesen habe es hat mir sehr gefallen.