Worum geht's in „Akwaaba. Ein Sommer in Afrika”?
Überall, wohin Josefina nur blickt, ist es grün – satt, üppig, verschwenderisch, traumhaft grün. Und schon in der offenen Flugzeugtür spürt sie, dass sie jetzt in Afrika ist. Was heißt spürt? Diese Erkenntnis schlägt ihr wie ein nasser Lappen ins Gesicht, so schwül ist die Luft. Noch ahnt Josefina nicht, dass es der Beginn einer Liebe ist – zu dem dunklen, geheimnisvollen Kontinent und zu Malcolm, dem Sohn eines Häuptlings.
Auszug/Leseprobe
Es war eine komplett andere Stimmung als bei den Flügen, die Josefina vorher erlebt hatte. Das steigerte sich noch, kaum, dass sie die Maschine der italienische Fluggesellschaft Alitalia betraten. Das Flugzeug war nicht voll besetzt und nach dem Start, nachdem das Anschnallzeichen erlosch, verwandelte sich der Innenraum in eine … ja, Josefina konnte gar nicht genau sagen was. Jedenfalls kein normales Flugzeug. Es war alles so lässig, so relaxt! Da rannten die Kinder die Gänge entlang – und niemand sagte etwas es standen die Flugpassagiere plaudernd neben den Sitzen und setzten sich mal hier, mal dort hin – und niemand störte sich daran, die Stewardessen setzen sich eher dazu! Es war ein Kommen und Gehen, als wären sie im Wohnzimmer bei Flugkapitän Brunswick zu besuch und nicht in einem Flugzeug. Und alle fanden das völlig normal. Nach vier Stunden Flug und dem Mittagessen wurde es etwas ruhiger im Innenraum. Auch Josefinas unmäßige Aufregung legte sich langsam. Ein Film wurde gezeigt und während unter ihnen das blaue Mittelmeer hindurchwanderte, legten die ersten Reisenden eine Mittagsruhe ein. Dazu wurden meist nicht etwa die Sitze einfach nach hinten gelehnt, nein, man legte sich in den Mittelreihen quer über vier Sitze. Josefina konnte und wollte nicht schlafen, sie sah aus dem Fenster, dachte an Malcolm, ihr Dorf und wie das wohl alles werden würde. Irgendwann ging das Blau unter ihr in ein helles Braun über und blieb so für eine lange Zeit. Wüste, Afrika eben. Dann schließlich wurde es aber zu Josefinas Überraschung grün, ein sattes Grün, ein leuchtendes Grün und das blieb auch für den Rest ihres Fluges. Grünes Afrika? Josefina war etwas verwundert. Bei ihrer Landung in Lomé, der Hauptstadt Togos war es schon dunkel, obwohl es erst kurz nach sechs war. Dennoch spürte Josefina schon in der offenen Flugzeugtür, dass sie jetzt in Afrika war. Was heiß spüte, diese Erkenntnis schlug ihr wie ein nasser Lappen ins Gesicht, so schwül war es. Rings umher war das Rollfeld hell erleuchtet, aber dahinter und über ihnen war einfach nur tiefschwarze Nacht. Es roch anders, komplett anders, als sie es jemals zuvor gerochen hatte. So fremd war der Geruch, so vollständig neu, dass man einfach wusste, das hier war nicht mehr Europa. Josefina befand auf einem anderen Kontinent. Sie konnte nicht sagen, nach was es roch, die Gerüche waren ihr unbekannt, doch es war gut. Sie zog die Luft tief ein, spürte, wie sich die feuchte Luft auf ihrem Gesicht, den Armen absetzte und dann seufzte sie. Ein tiefer Seufzer, ein Seufzer des Ankommens. Etwas ungläubig und unbeholfen stieg Josefina die Flugzeugtreppe hinab, unsicher machte sie die ersten Schritte auf afrikanischen Boden, so als ob sie es gar nicht so recht fassen konnte, was sie in diesem Moment erlebte. Es war ihr so, als ob sie nicht genau wisse, ob es wirklich passiert oder sie es vielleicht doch nur träumt. Leider konnte Josefina sich diesem Gefühl nicht hingeben, es nur kurz genießen. Denn kaum waren sie ausgestiegen, hielt ein großer neuer Reisebus neben dem Flugzeug auf dem Rollfeld. Heraus trat ein weißer Mann im Geschäftsanzug, der sich als Werner Fortmann vorstellte und der neue Standortchef der Firma war. Begleitet wurde er von etlichen offiziellen Männern der Regierung. Unter deren Augen wurde eilig das gesamte Gepäck umgeladen, dass Team durfte den Bus besteigen und vorbei an den Zoll- oder Passkontrollen brachte das klimatisierte Fahrzeug sie direkt in die Stadt hinein. Das neue, fremde Afrika, das Josefina so gerne gespürt, gerochen, entdeckt hätte, blieb draußen. Nur durch die getönten Scheiben des klimatisierten Busses hindurch konnte Josefina ihre ersten Afrikabilder sammeln. Braun gefiltert tauchten im Scheinwerferlicht Bauruinen und Bäume, alte Pick-ups und neue Autos, neue Bürohäuser und Villen auf. Schemenhaft waren vereinzelt Gestalten zu erkennen. Aber viel zu sehen war nicht, dazu war es draußen einfach zu dunkle Nacht. Weder gab es Straßenlaternen noch sonst welche Lichtquellen, es war einfach dunkel. Nach gut einer drei viertel Stunde Fahrt hielt ihr Bus vor einem großen weißen Hotelhochhaus. Weiße und hellblaue Scheinwerfer zeichneten die Hotelsilhouette gegen den Nachthimmel, und bonbonrosa strahlte der Schriftzug: Blue Atlantic. Als sie nach dem Einchecken mit ihrer Schwester in ihrem Zimmer des Fünf-Sterne-Hotels im fünfzehnten Stock stand, da fragte Josefina sich laut enttäuscht: “Super, wie daheim, warum sind wir da überhaupt weg?” Und damit hatte sie Recht. In Nichts, weder in der Architektur, der Einrichtung noch der Atmosphäre unterschied sich dieses Hotel, von dem in Frankfurt am Flughafen. Ihr neues Hotelzimmer hätte man, so wie es war, in das Hotel in Frankfurt umsetzen können. “Keine Bange Schwesterlein, genieß den Luxus. Das echte Afrika wirst du auch noch kennen lernen, das verspreche ich dir. Los, wollen wir vor dem Bankett noch in den Pool oder zu den anderen an die Bar, wozu hast du Lust?” Josefina entschied sich für den Pool. Keine fünfzehn Minuten später trieb sie auf einer pinkrosa Luftmatratze in einem hellblau erleuchteten großen Schwimmbecken. Sie hatte das Becken vollständig für sich allein, anscheinend war es hier nicht üblich, um diese Zeit Baden zu gehen und Liv hatte doch lieber an die Bar gewollt. Um den Pool herum waren hohe Palmen, sonst war es dunkel und der Himmel einfach nur schwarz. Keine Sterne, nichts, einfach nur schwarz. Josefina ließ sich von dem sanften Geplätscher schaukeln und als sie die Augen schloss, sich nur auf das Riechen konzentrierte, konnte sie das Gefühl vom Flughafen noch einmal für eine Weile wiederfinden. So kam sie noch ein zweites Mal in Afrika an, diesmal mit dem Schiff und ganz allein.

Ich bin zum ersten mal beim Lesen der Zeitschrift “floh!” auf das Buch “Akwaaba” von Thomas Fuchs aufmerksam geworden. In einem Artikel wurde es als lesenswerter Jugendroman beschrieben. Danach habe ich im Internet nach weiteren Informationen gesucht, wobei ich auf diese Website gestoßen bin. Die Leseprobe hat mich sehr neugierig gemacht, deshalb habe ich ins Auge gefasst, das Buch zu kaufen. Wenn ich es gelesen habe, werde ich mich sicher nochmals dazu äußern.
Liebe Grüße,
Laura Rothenberger