Die Nullnummer

Die Nullnummer

Jugendroman

Aus der Reihe "Für Mädchen verboten"

Erschienen im Jahr 2008

Thienemann Verlag

Worum geht's in „Die Nullnummer”?

Nils kann es nicht fassen: Niemand will die Schülerzeitung lesen. Zu langweilig. Dabei hat er sich als seriöser Journalist doch alle Mühe gegeben! Wenn schon Schluss ist, dann aber mit einem Paukenschlag! Und zwar mit einer Abschiedsausgabe, die sich gewaschen hat. In der nichts, aber auch gar nichts wahr ist. Ein richtiges Trash-Blatt. Doch gerade diese Ausgabe katapultiert die Zeitung in ungeahnte Auflagenhöhen. Und mit einem Mal ist Nils an seiner Schule der King …

Auszug/Leseprobe

Nils schlich aus dem Büro und verzog sich in den Redaktionskeller. Wehmütig blätterte er am Bildschirm die neue Ausgabe durch. Sie war wirklich fertig. Sie musste nur noch kopiert werden. Titelstory war die Schulküche. Die Schule hatte einen neuen Lieferanten bekommen, Vollwertküche. Gesund, aber den meisten Schülern schmeckte es nicht besonders. Des weiteren hatte Nils einen Artikel über die Aktion „Gutenberg sucht den Super-Schüler-Star“, ein paar Buchbesprechungen, Kinokritik und ein kritischer Artikel über das frühe Ausscheiden unserer Hockey-Schulmannschaft beim letzten Turnier. Nils fand, die Ausgabe war gut geworden, er fand sie sehr gut, besser als alle anderen zuvor. Doch Nils wusste insgeheim, auch diese Ausgabe würde liegen bleiben, nicht mal für umsonst von den Leuten an seiner Schule gelesen werden. Seine Direktorin hatte recht.

Gelangweilt, und um sich auf andere Gedanken zu bringen, klickte Nils sich durchs Internet, natürlich landete er auf einer Seite über Journalismus und dort stand der Kommentar: Die Zukunft der Presse ist der Boulevardjournalismus. Kurze Artikel, kernige Überschriften. Geschichten von Sex, Kriminalität, Gewalt, Promiklatsch, eben voll aus dem Leben. Und das die Leute in Zukunft nur noch Zeitungen in dieser Art lesen wollten.

Nils stockte. Wollten das die Menschen wirklich lesen? Wollen die Leute wirklich Sex and Crime? Und noch während er sich das fragte, gab er sich bereits selbst die Antwort. Klar wollen sie das. Mit nackten Brüsten wurde doch inzwischen sogar Hundefutter verkauft. Und sämtliche erfolgreichen Boulevardblätter zeigten nackte Tatsachen. Das schöne Mädchen von Seite drei!

Halblaut flüsterte Nils zu sich selbst: „Logisch, mit Titten und Arsch würde sich auch meine Zeitung verkaufen.“

Es machte klick in seinem Kopf und er murmelte: „Okay, wenn die Leute das wollen, dann sollen sie es auch bekommen. Was die können, kann ich schon lange!“

Plötzlich wusste er, was er machen würde. Eine Knallnummer würde er den Leuten geben! Einfach die neue Ausgabe umbauen, den Leuten einmal das geben, was sie wollten und ihnen so klarmachen, wie bescheuert sie waren. Wenn seine Schülerzeitung nun schon den Bach runtergehen sollte, dann wenigstens mit einem Feuerwerk. Vielleicht ließ sich den Leuten so wenigstens im Abgang die Augen öffnen.

Nils lud sich erneut die aktuelle Ausgabe auf den Bildschirm. Thema Vollwertküche. Er überlegte kurz und wechselte zurück ins Internet. Kurz zu Google, dann hatte er schon was er brauchte.

Nils öffnete wieder das Fenster der Schülerzeitung, klickte die Schlagzeile an, änderte und vergrößerte sie auf:

Ökokost Tötet?

Darunter platzierte er einen Artikel, der nun in wenigen Sätzen, die These aus der soeben gefunden Webseite nachbetete. Dass Vollwertküche krank macht und Burger und Pommes gesunder wären. Natürlich Schwachsinn, aber Nils zitierte ja nur. Das war ja das Tolle am Internet. Es gab nichts, was nicht irgendwo im www von irgendwem auf seiner Homepage als Wahrheit behauptet wurde. Zudem hatte er das Fragezeichen am Ende. Konnte jemand beweisen, dass man daran nicht wirklich sterben würde? Fragen stellen durfte man ja wohl!

Sein neuer Artikel endete mit dem Satz: … Fachleute empfehlen daher für Schulen anstatt dröger Vollkornkost das Angebot von Pizza, Pommes und Burger.

Fast alle Schüler, die Nils kannte, sahen das so. Und waren nicht Schüler die Fachleute schlechthin was Schulspeisung betraf? Immerhin mussten sie das Zeug essen.

Nächster Artikel.

Es machte Nils ein unerwartetes Vergnügen so ganz tief unten herumzudoktern, es hatte etwas Verbotenes, etwas Unanständiges einfach so total enthemmt loszuschreiben. Aber es war ja für einen guten Zweck. Er wollte die Leute wachrütteln!

Die Kinokritik peppte Nils mit einem Angelina nackt? auf. Das dazugehörige Foto lieferte ihm youtube. Zwar hatte Angelina Jolie in dem Film nur eine Nebenrolle, doch wen kümmerte das.

Weiter ging es mit diesem langen Artikel über das Schulcastings. Nils ging noch einmal alle Fotos durch und dann war da dieses eine, auf dem Svea bei ihrer Tanznummer der BH verrutscht war. Als er dieses Bild digital um 100% vergrößerte, sah er ansatzweise ihren Busen. Ganz klar ein:

Busenunfall! Alles geplant?

Der anschließende Artikel änderte sich fast von allein auf eine Story, bei der die armen kleinen Fünftklässler geschockt, angesichts fast nackte Brüste, aus der Aula gerannt wären. Nils wagte sogar die Vermutung, dass nicht auszuschließen sei, dass Svea das gewollt hatte, um sich so in die Endrunde zu katapultieren. Natürlich mit großem Fragezeichen am Ende. Er fragte ja nur.

Nun musste er nur noch den Bericht über das Hockeyturnier etwas frisieren: Schiebung???

Schon war die Ausgabe im Grunde perfekt. Doch Nils war nun in Fahrt gekommen. So war er nun einmal, wenn er sich für etwas begeisterte oder engagierte, dann gab er immer 200 Prozent. Im Internet gab es diese großartigen Seiten mit: Wussten sie es? Total sinnlose Seiten mit überflüssigen Meldungen zu den unwichtigsten Themen. Die Meldungen war zwar zum Teil veraltet, doch wen interessierte das.

- Phonebashing – eine neue Trendsportart, bei der Verrückte die Handys von anderen Leuten zerstören.

- Noodle-Monster – Wissenschaftler in den USA hatten ein rätselhaftes Spaghettitier entdeckt.

- Dumm und eitel – zwei Graffiti-Sprühern wurde zum Verhängnis, dass sie ihre Bilder nicht nur fotografierten, sondern auch noch in einem Fotolabor davon Abzüge machen ließen.

Und zum Schluss gab es:

www.das-ende-des-internets.de Eine Seite im www, die von sich selbst behauptet: Hier ist das Internet zu Ende.

Wir aus einem Rausch tauchte Nils schließlich wieder auf und betrachtete seine fertige Arbeit. Die geänderte neue Ausgabe war schräg. Obwohl schwarzweiß erschien sie Nils bunt, grell und so bizarr, dass sie ihm irgendwie selbst wirklich gefiel. Zwar war das nicht mehr direkt eine Zeitung, wie Nils sie in die Hand genommen hätte. Aber es war ein echter Knaller zum Abgang.

Nils druckte die Seiten aus und eilte in den Kopierladen. An den Schulkopierer konnte er ja nicht mehr. Die Chipkarte war eingezogen. Im Copyshop gleich die erste Reaktion. Der Mann hinter der Kasse wollte ein Exemplar für sich behalten. Er bot Nils sogar Geld dafür. Nils schenkte ihm eins.

Am nächsten Morgen in der Schule stand Nils vor der Schule am Haupteingang mit seiner Zeitung in den Händen.

„Angelina nackt!“ – Schiebung beim Hockeyturnier!“ – „Nackte Busen beim Schulcasting!“ Nils musste seine Schlagzeilen nur einmal laut rufen, schon standen die ersten Käufer vor ihm. Es war der Wahnsinn. Innerhalb einer viertel Stunde war die Auflage komplett weg. Und die, die kein Exemplar bekommen hatten, wollten Nachschub. Überall standen die Schüler und Schülerinnen zusammen und hatten Nils Blatt vor der Nase.

Er wurde gelesen!

Aber was Nils am meisten verblüffte. Das was sie lasen, gefiel den Leuten. Das mit der Schiebung beispielsweise. Eine Menge Leute wollte wirklich glauben, dass die Schulmannschaft nur deswegen verloren hatte, weil sie vom Schiedsrichter benachteiligt worden waren. Nils Vorwurf: Schiri gekauft? Wurde widerspruchslos nachgebetet! Nils konnte es nicht fassen. Wieso sah denn niemand, dass das ein Scherz war! Eine Satirenummer! Die Hockeymannschaft der Gutenbergschule war mit 32 zu 4 eingetütet worden. Sie hatten nie den Hauch eine Chance gehabt. Selbst mit zehn Mann mehr auf dem Feld hätten sie vermutlich verloren.

„Super!“ – Geiles Blatt!“ – „Wurde auch Zeit, endlich mal eine richtig informative Schülerzeitung! Wo hast du eigentlich das Nacktbild von der Jolie her?“

Mehr aus "Jugendromane"

Kommentare (6)

Nicolett schreibt:

Hallo herr Fuchs..!
ich find ihr buch Null Nummer ganz toll..!
Es macht spaß das Buch zu lesen.
Obwohl sie das Buch schon in der Stadt Biblothek vorgelesen haben habe ich mir trotztdem noch gekauf..!

Sophie schreibt:

Hallo Thomas Fuchs!
Ich halte am dienstag eine buchvorstellung über Null Nummer…
Hoffentlich kann ich das buch gut präsentieren!
Also ich finde das Buch klasse!
Wünsch mir Glück!
Sophie

Alex schreibt:

Hallo Thomas Fuchs
In der Schule liest jeder ein verschiedenes Buch und ich hab ihr Buch ausgewählt weil die erste Seite schon lustig fand. Ich muss es in einem Monat lesen und bekommt dafür eine Note bin aber erst auf seite 40 noch 99 aber das schaff ich schon

Jana schreibt:

Hallo Thomas Fuchs
Das erste Buch das ich von ihnen gelesen habe ist unter Freunden und das Buch ist sehr gut! Es ist sehr spannend und ich kann es nur weiter empfehlen.
Jeder aus meiner Klasse soll ein Buch auf frantzösisch vorstellen und ich nehme dieses.
Zwar wird das sehr schwer aber das Buch ist einfach spitze!

Liebe Grüße Jana

Lena schreibt:

Hallo Thomas Fuchs,
Sie waren schon mal an unserer
Schule in Lichtenrade
und haben das Buch Nullnummer vorgestellt.
Mir hat es total gefallen und ich habe
es mir daraufhin zu Weihnachten gewünscht.
Es war total Klasse.Ich fand es sehr witzig.
Liebe Grüße Lena

fredi schreibt:

das Buch ist klasse und ich kann es nur weiter empfelen und ich rate nur Thomas Fuchs schreib weiter hin so tolle bücher

LG fredi

Kommentar schreiben

Hinweis: Zu deiner Sicherheit gib bitte NICHT deine E-Mail-Adresse im Kommentartext an, sondern im dafür vorgesehenen Feld.