Worum geht's in „Partytime”?
Für Paul ist sein vierzehnter Geburtstag das ultimative Highlight. Und das muss gebührend gefeiert werden. Nicht nur mit einer kleinen Fete – nein, es muss die Mega-Party sein, ein richtiges Event! Denn nur dann wird Lena ihn endlich beachten. Und auch alle anderen werden schwer beeindruckt von ihm sein. Schon bald ist die richtige Location gefunden und eine angesagte Band gebucht. Doch dann läuft alles aus dem Ruder … und aus der Mega-Party scheint eine Mega-Pleite zu werden.
Auszug/Leseprobe
Auf dem Weg zur Bushaltestelle und während der halbstündigen Fahrt mit dem Bus in ihre Siedlung gingen die beiden alle möglichen Varianten durch, wie sie die Anmietung des S4 regeln könnten. Aber da Eltern und Verwandte ausfielen, sie niemanden sonst kannten, der möglicherweise bereit gewesen wäre, für sie den Mietvertrag zu unterschreiben, hatten sie ein fettes Problem.
„Warum haben unsere Eltern nicht daran gedacht, uns ältere Geschwister zu mache“, ärgerte sich Luca. „Warum haben immer nur die anderen jemanden, der für sie so was regeln könnte? Warum kann nicht auch ich wie Lena einen älteren Bruder haben? Warum gehören wir immer zu denen, die mit dem Bus fahren müssen?“
„Echt gemein.“ Paul drückte den Knopf an der Stange, um dem Fahrer zu signalisieren, dass sie aussteigen wollten.
„Einen älteren Bruder müsste man haben …“, murmelte Luca erneut.
„Und wenn ich einen hätte …“, sagte Paul langsam.
„Wie …“ Luca stockte. „Du hast einen Bruder?“
„Klar!“ Paul nickte. „Der war die letzten Jahre berufsmäßig in Afrika. Hat da als Entwicklungshelfer gearbeitet und ist jetzt wieder zurück.“
„Dein Bruder … Wieso weiß ich davon nichts?“
„Er heißt Jeremy!“, grinste Paul.
„Dein Bruder Jeremy …“ Luca war völlig durcheinander. „Aber wieso … du hast nie von ihm erzählt …“
„Jeremy ist okay. Nicht besonders helle, aber wie eben so ältere Brüder sind.“
„Und der wird für dich unterschreiben?“
„Jeremy unterschreibt alles, worum ich ihn bitte.“ Paul hatte Schwierigkeiten ernst zu bleiben. Luca neben ihm bekam davon nichts mit, da der Bus hielt, sich die Tür öffnete und die beiden aussteigen mussten. Erst auf dem Bürgersteig fand er seine Sprache wieder. „Das ist … cool! Abgefahren, du hast einen Bruder und der …“ Als sein Blick Pauls Gesicht streifte, stockte er. Dann verstand er und schlug sich mit der Hand vor den Kopf. „Ach, der Jeremy, der mich damals im Garten mit dem Wasserschlauch nass gespritzt hat?“
„Genau der!“, grinste Paul.
„Der Jeremy, der zur Fremdenlegion wollte?“
„Genau der!“
„Dein älterer Bruder, klar, wie konnte ich den vergessen. Hat der nicht schon mit sechszehn geheiratet?“
„Mit fünfzehn“, verbesserte ihn Paul. „Mit sechszehn war er bereits wieder geschieden.“
„Wie geht es den beiden Zwillingen?“
„Gut, die werden jetzt eingeschult.“
„Und hat er immer noch dieses Zucken im linken Auge?“ Luca drehte auf. „Ach nee, er hat sich doch das Glasauge einsetzen lassen, das immer beim Niesen rausfällt.“
„Ja, das ist mein Bruder Jeremy!“ Paul musste derart lachen, dass es ihn nur so schüttelte. Und mit jedem Lacher kehrte der Schmerz in seine Hose zurück. „Hör auf, bitte…!“
„Weißt du noch damals, als Jeremy am letzten Schultag im Umkleideraum der Schule eingeschlafen ist und die ganzen Sommerferien dort eingeschlossen war? Was haben wir uns alle Sorgen gemacht. Der Arme, sechs Wochen lang nur Schuhkäse.“
„Bitte, Schluss!“
„Und wie wir mit ihm im Schwimmbad waren, Jeremy ins Wasser ist, aber vergessen hatte, wie man schwimmt. Es hat zwei Stunden gebraucht, bis sie alles Wasser aus ihm wieder rausgepumpt hatten.“
„Aufhören!“ Paul versuchte dem Schmerz zwischen den Beinen zu entgehen, indem er sich nach vorne beugte. „Das tut weh!“
„Quatsch, das im Schwimmbad tat deinem Bruder nicht weh. Weh tat ihm, wie er gegen die Glastür gerannt ist oder vom Hochhaus auf die Straßenbahnschienen gefallen ist. Zum Glück ist er auf einer Weiche gelandet!“
„Auaaaaa!“ Paul ging vor Schmerzen und Lachen auf die Knie. „Bitte nicht.“
„Besonders bescheuert war aber, wie Jeremy damals unbedingt Fallschirm springen wollte, aber nicht den Fallschirm, sondern stattdessen den Rucksack umgeschnallt hatte …“
„Bitte! Ich kann nicht mehr“, wimmerte Paul. Und erst jetzt merkte Luca, dass sein Freund echt Probleme hatte. „Was ist denn?“
„Mein eines Ei …“
„Oh Shit, das hatte ich vergessen. Tut das immer noch weh?“
„Nur wenn ich lache!“, hechelte Paul erschöpft.
„Dann solltest du das besser nicht machen!“, schlug Luca vor.
„Was du nicht sagst.“
„Ja, sage ich.“
„Gut dass wir darüber gesprochen haben.“
„Geht’s wieder?“, Luca streckte seinem Freund die Hand hin, Paul schlug ein und ließ sich von ihm hochziehen.
„Ja, ist schon okay.“
„Wie gesagt, ich kenne das, war bei mir damals auch so. Da bin ich in unserem alten Haus beim Treppengeländerrutschen gegen die Schlusskugel gedonnert. Ich hab´ nur noch Sterne gesehen.“
„Danke fürs Mitgefühl.“
„Aber Sex geht noch?“
„Ich denke schon.“
„Nicht, dass da dauerhaft was kaputt gegangen ist, bevor das gute Stück überhaupt das erste Mal im Sinne seines Erfinders zum Einsatz kommt.“
„Wie gesagt, alles okay.“
„Hey, ist nicht mein Gerät. Ich trag seitdem bei riskanten Aktionen immer ein Suspensorium!“
„Was?“
„Einen Tiefschutz.“
„Denk daran mich zu erinnern, dass ich mir so ein Teil zum Geburtstag wünsche.“
„Von deinen Eltern, der Oma? Oder Jeremy!“
„Au …“
„Sorry, aber der war zu gut.“
„Okay, bei dir oder bei mir?“
„Macht das einen Unterschied?“, stöhnte Paul. Und das war zu seinem Bedauern die Wahrheit. Das Haus von seinen Eltern und das Haus von Lucas Familie waren so gut wie identisch. Reihenhäuser in der Siedlung. Blumenstieg 34 c und 34 l. Gleiche Farbe, gleiche Größe, gleiche Innenaufteilung. Was aber verschärfend hinzu kam, beide Jungen hatten unabhängig voneinander im selben Möbelhaus die gleichen Jugendzimmer von ihren Eltern gekauft bekommen. Schreibtisch, Regal, Schrank und Bett. Sogar die Sitzsäcke waren identisch, hatten sie voller Entsetzen feststellen müssen, als sie beide sich vor zwei Jahren zum ersten Mal verabredet hatten. Paul und Luca kannten sich zwar schon ewig, aber früher, als beide noch in den jeweiligen Mietswohnung in der Stadt gewohnt hatten, da waren sie nur Klassenkameraden gewesen. Doch nun plötzlich gingen sie nicht nur in dieselbe Klasse, nein, sie waren auch beide plötzlich auf denselben Schulbus angewiesen, wohnten beide draußen in der sterbenslangweiligen Vorstadt-Siedlung.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagte Pauls Mutter immer und in diesem Fall hatten sie recht. Denn da Paul und Luca quasi alles zusammen taten, musste nun nur noch ein Elternteil abends raus, um sie vom Kino abzuholen, bei Freunden oder von irgendwelchen Spätschulveranstaltungen.
In Lucas Zimmer angekommen, nahm Paul nun den Platz im Sitzsack ein und Luca lümmelte sich auf das Bett.
„Ich darf dann also festhalten, das S4 ist gebongt?“, fragte Luca.
„Ich finde den Laden optimal, nicht zu groß und nicht zu klein“, nickte Paul. „Hat was.“
„Kostet ja auch …“ Luca blätterte in dem Ordner mit den Unterlagen. „Komplett so um die 2500 €. Damit müssen wir rechnen. Eine Band wird so um die 5000 Kosten, dann noch Plakate, Türsteher und so weiter und so weiter. Lass uns einfachheitshalber mit 10.000 Euro rechnen. Dann dürften wir auf der sicheren Seite sein. Bei 500 Leuten kommt das dann auf 20 Euro pro Nase. Richtig?“
„20 Euro ist viel.“
„Nicht, wenn man dafür viel geboten bekommt.“
„Und was bieten wir den Leuten?“, fragte Paul kleinlaut bei dieser immensen Summe Geld, die er nicht hatte, und von der er nicht wusste, woher er sie nehmen sollte.
„Ein geiles Event!“
„Aber wie soll ich das bezahlen?“ Paul fühlte sich so müde und ohnmächtig. „Vielleicht ist das doch alles eine Nummer zu groß. Das wird nicht klappen. So viel Geld …“
„Ich hab mal im Radio gehört, die Konzertveranstalter finanzieren das immer irgendwie zwischen.“
„Und das heißt“
„Weiß ich doch nicht! Bin ich Konzertveranstalter?“, regte sich Luca auf.
„Danke für den tollen Tipp.“
„Wir müssten das so machen, wie die das bei Grönemeyer und so auch immer machen.“ Luca gähnte. „Die Leute kaufen jetzt schon die Karten, aber das Konzert ist erst ein Jahr später. Und dann kannst du die Band wahrscheinlich schon von den Zinsen des bereits einkassierten Gelds zahlen.“
„Du meinst also, Vorverkauf wäre die Lösung.“
„Genau.“
„Und die Band?“
„Die wird immer erst kurz vor dem Auftritt bezahlt“, erklärte Luca. „Das sind doch alles so schräge Vögel. Wenn die schon lange vorher das Geld bekommen, dann treten die erst gar nicht auf. Machen mit der Kohle selbst Party.“
„Gut, dann würden also nur die Kaution und die Plakate, Eintrittskarten und so weiter bleiben“, staunte sich Paul, der sehr erfreut war, wie einfach sich durch Lucas Berechnungen die Summe verringern ließ, die er für seine Geburtstagsparty aufbringen müsste.
„Wenn man das Ganze rein vom Wirtschaftlichen betrachtet, dann musst du nur die Kaution vorab zahlen“, erklärte ihm Luca lässig. „Bei allen anderen lässt du dir die Dinger auf Rechnung liefern, da sind immer zwei Wochen Zahlungsfrist drin. Macht zumindest mein Vater immer so.“ Lucas Vater hatte einen kleinen Vertrieb für italienischen Espresso. Er ließ sich die Bohnen aus Italien liefern und verkaufte sie per Internet und in einem kleinen Laden weiter.
„Also, wenn das so ist …“
„Es geht um die 600 Euro, die du nicht hast.“
„Wenn es nur die sind …“ Paul überlegte.
„Was denn?“, hakte sein Freund nach.
„Sechshundert habe ich.“
„Wie, woher?“
„Ich hab seit Jahren so ein Sparbuch von Oma und Opa. Da geht seit meinem 1. Geburtstag immer was drauf. Da könnte ich locker 600 runternehmen. Wenn ich die anschließend wieder draufpacke, fällt das nicht auf. Und eine Kaution bekommt man doch wieder zurück, nicht?“
„Klar, die ist ja nur zur Sicherheit hinterlegt.“
„Mein Problem ist nur, das Sparbuch haben meine Eltern irgendwo, keine Ahnung wo.“
„Habt ihr einen Safe?“, fragte Luca.
Paul schüttelte den Kopf.
„Einen Tresor, einen Schrank mit Geheimfach?“
Paul verneinte erneut.
„Eine abschließbare Schublade? Einen Schuhkarton im Wäscheschrank? Da haben mein Eltern alles Wichtige gesammelt.“
„Nicht das ich wüsste, aber ich kann ja mal nachsehen. Irgendwo muss es ja sein.“
„Mach das. Und dann regeln wir das in den kommenden Tagen, in etwas mehr als zehn Tagen wird gefeiert! Aber jetzt muss ich los. Ich muss noch Erdkunde lernen.“
„Was bitte musst du für Erdkunde lernen?“
„Ach, ja.“ Luca grinste. „Das weißt du ja noch gar nicht. Kommende Woche gibt es einen Test über Afrika. Hat er vorhin angekündigt. Aber da warst du ja nicht da.“
„Scheiße.“
„Halb so wild, ich hab die Zettel für dich mitgebracht. Ist für uns Normalsterbliche gut zu schaffen. Und für dich doch sowieso kein Problem, wenn du was nicht weißt, frag Jeremy. Dein älterer Bruder war doch in Afrika, da müsste er sich auskennen.“
„Idiot!“
„Weiß ich sel


DAS BUCH IST GUT.ICH FINDE ES TOLL.DANKE THOMAS FUCHS.